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Strömung

Segler, die auf Revieren mit hohen Tidenunterschieden unterwegs sind, sind täglich mit Strömungssegeln konfrontiert und können sich nicht vorstellen, dass es Segler (speziell von Binnenrevieren) gibt, die nie mit Strömungen auf der Wettfahrtbahn konfrontiert sind. Deshalb kann diese Seite nur ein Kompromiss sein. Für die Einen ist alles was hier steht selbstverständlich, für die Anderen geht das was hier steht (bzw. stehen wird) weit über das hinaus was sie brauchen und was sie interessiert. Also bitte seid tolerant und falls euch das hier nicht interessiert, lest einfach auf den anderen Seiten weiter.

Bei Strömung bewegt sich das Medium in dem wir uns bewegen mit einer messbaren Geschwindigkeit in eine messbare Richtung. Uns interessiert natürlich nur die Strömung an der Oberfläche, soweit unser Kiel bzw. Schwert reichen, was sich 10 Meter unter Wasser abspielt ist nur mehr für Fischer interessant.

Um unsere Strategie entsprechend planen zu können wollen wir wissen wie stark die Strömung ist und in welche Richtung sie geht. Aber natürlich ist es genauso wichtig zu wissen wie die Strömung sich während der Wettfahrt verändern wird.

Generell gilt, dass bei wenig Wind die Einflüsse der Strömung stärker sind als bei mehr Wind. Bei wenig Wind und starker Strömung wird die Strömung der wichtigste taktische Faktor in unserem Spiel. Windstärkenunterschiede und Winddrehungen denen wir bisher die größte Aufmerksamkeit schenkten sind plötzlich nicht mehr so wichtig.

 

Strömungsursache/Strömungsprognose

Was verstehen wir eigentlich unter Strömung? Strömung ist sich bewegendes Wasser unabhängig von der Ursache. Generell gibt es drei unterschiedliche Ursachen für Strömung:

- Strömungen verursacht durch die Tide

- Strömungen verursacht durch das Fließen eines Flusses

- Wasserverfrachtungen durch Wind.

Aber welche Ursache die Strömung hat, kann uns eigentlich egal sein. Wenn wir einmal wissen wie die Strömung auf der Regattabahn ist und wie sie sich verändern wird, wird unsere Strategie in allen diesen Fällen gleich sein. Allerdings sind die Methoden die Strömung vorherzusagen durchaus unterschiedlich je nach Ursache. Handelt es sich um eine durch Ebbe und Flut ausgelöste Strömung ist ein Tidenkalender unerlässlich. Er zeigt uns die Hoch- und Niedrigwasser für das Regattagebiet. Falls vorhanden, sind Strömungskarten eine große Hilfe. Strömungskarten zeigen für ein bestimmtes

Gebiet die Stromstärke und Richtung im Stundentakt nach bzw. vor dem Hochwasser. Unerlässlich für eine Strömungsprognose sind auch Seekarten, da die Topographie des Meeresbodens großen Einfluss auf die Strömungen hat.

Ein Paar Grundsätze für die Strömungsprognose:

Im tiefen Wasser ist die Strömung stärker

Das liegt daran, dass die Oberflächenreibung des Grundes das Wasser bremst,. Demnach müssen wir beim Segeln gegen die Strömung versuchen möglichst dort zu segeln, wo die Wassertiefen gering sind. Das wird meist in den Uferzonen der Fall sein. Aber auch andere flache Stellen können uns helfen. Oft sieht man in Strömungsgewässern ein Feld direkt unter Land gegen den Strom aufkreuzen. Ein Schlag zu weit aufs offene Wasser kann bedeuten, dass die Gegner uneinholbar entschwinden.

Das bedeutet natürlich auch, dass wir ins tiefe Wasser müssen, wenn die Strömung mit uns ist.

Ein genauer Blick auf die Tiefenangaben der Seekarte lohnt sich in Strömungsrevieren immer.

Die Tide dreht zuerst am Ufer

Geht die Tidenbedingte Strömung entlang des Ufers sollte man sich der Tatsache bewusst sein, dass die Tide zuerst am Ufer kippt und erst wesentlich später im tieferen Hauptfahrwasser. Der Grund dafür ist, dass die "neue Kraft" in Gegenrichtung der alten Strömung wesentlich länger braucht die größeren Wassermassen zu stoppen und zur Umkehr zu bewegen. Das wenige Wasser am Ufer ist wesentlicher schneller bereit seine Richtung zu wechseln.

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Wie messe ich Strömungen?

Auf der Regattabahn ist es nun Zeit unser im Vorfeld erstellte Strömungsprognose mit dem aktuellen Strömungsbild zu vergleichen. Dazu ist es sinnvoll an möglichst vielen Stellen des Kurses Strömungsmessungen durchzuführen.

Diese Aufgabe ist natürlich sehr zeitaufwändig. im Idealfall nimmt uns das ein Betreuer ab, der sich mit seinem Motorboot auch viel leichter tut. Steht uns kein kompetenter Betreuer zu Verfügung müssen wir selbst messen.

Manuelle Strömungsmessung

Im Prinzip kann man jeden Gegenstand zur Strömungsmessung verwenden, der unter Wasser eine große gleichmäßige Angriffsfläche hat, aber nicht weit aus dem Wasser herausschauen darf, um Windeinflüsse zu vermeiden. Sehr geeignete "Strömungsmessgeräte" sind zum Beispiel Schwämme. Dann braucht man nur noch einen Kompass, und eine Uhr. Ja und das wichtigste einen fixen Referenzpunkt. In den einzelnen Regionen wird die Strömung in unterschiedlichen Einheiten angegeben. Ich bevorzuge die Angabe der Strömung in Meter pro Sekunde. Einfach deshalb, weil das in Mitteleuropa die Einheiten sind, die wir uns am besten vorstellen können, aber im Prinzip ist das egal.

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Elektronische Strömungsmessung

Ist dein Schiff mit LOG und GPS ausgestattet, hast du eine sehr effiziente Möglichkeit die Strömung auch ohne Referenzpunkt zu messen (das stimmt natürlich nicht ganz, weil deine Referenzpunkte die Satelliten des GPS Systems sind). Wir nutzen einfach die Tatsache, dass das GPS die Geschwindigkeit über Land anzeigt und das Log die Geschwindigkeit durchs Wasser. Diese Methode ist speziell einfach anzuwenden, wenn die Strömung entlang des Ufers fließt, wir aber weder wissen wie stark sie ist, noch in welche Richtung sie fließt. In diesem Fall fahren wir einfach am Strömungsmesspunkt und notieren GPS und Log Geschwindigkeit. Das gleiche machen wir auf Gegenkurs, um den Einfluss von ungenau kalibrierten Logs zumindest zum Großteil zu eliminieren.

Ein Beispiel: Wir fahren entlang der Küste mit Kompasskurs 30. Das Log zeigt 8 Knoten (Geschwindigkeit durchs Wasser), das GPS zeigt 4 Knoten (Geschwindigkeit über Land). Dann auf Gegenkurs 210 zeigt das Log ebenfalls 8 Knoten, das GPS zeigt 10 Knoten. Bei der ersten Messung messen wir mit dem GPS um 4 Knoten weniger als mit dem Log. Bei der zweiten Messung um zwei Knoten mehr als mit dem Log. Da die Differenz absolut gesehen in beiden Fällen gleich sein müsste, können wir davon ausgehen, dass das Log um ca. 1 Knoten zu viel anzeigt. Korrigieren wir nun den Log Wert um diesen einen Knoten ergibt sich in beiden Fällen eine Differenz von 3 Knoten und das ist schon die Strömung am Messpunkt. Die Strömungsrichtung ergibt sich aus dem Kompasskurs den wir bei Gegenströmung fahren. In unserem Fall hatten wir bei der ersten Messung Gegenstrom. (GPS Wert niedriger als LOG Wert). Also ist die Strömungsrichtung 30 Grad.

Rein mathematisch wird die Sache komplizierter wenn die Strömungsrichtung gänzlich unbekannt ist und nicht am Ufer entlang in die eine oder andere Richtung fließt. Meist aber kommen wir mit diesem einfachen Modell aus. nach oben

Strömungsbild

Manuelle Strömungsmessungen können wir nur vor der Wettfahrt machen. Während der Wettfahrt können wir nur durch die Differenz aus Log und GPS Anzeige Rückschlüsse auf die Strömung treffen. Es gibt aber während der Wettfahrt noch einige andere Möglichkeiten Strömungen zu erkennen.

Beobachte deine Umgebung

An Seezeichen oder Bojen kann man sehr schön erkennen ob und in welche Richtung das Wasser strömt. Umströmte Bojen oder Seezeichen schauen immer so aus, als würden sie sich gegen die Strömung bewegen. Auch dann wenn wir uns an eine Boje annähern, sieht es für uns so aus, als würde sich die Boje gegen die Strömung bewegen. Da wir aus Erfahrung wissen, dass unser Boot sich nur sehr wenig quer bewegt, werden unsere Sinne getäuscht. Natürlich wissen wir, dass die Boje vor Anker liegt und unser Boot sich mit dem Umgebungsmedium bewegt.

Auch vor Anker liegende Boote, die sich nicht in Windrichtung ausrichten weisen auf Strömung hin und können wertvolle Hinweise auf die dort herrschende Strömungsrichtung geben,

Auch Chaos bei der Wendemarke, Boote die direkt an die Boje getrieben werden, oder in unmittelbarer Nähe der Boje wenden, oder dort gegen den Wind stehen deuten auf Gegenstrom hin.

 

Beobachte das Wellenbild

Auch das Wellenbild kann uns wertvolle Hinweise auf Strömung geben. Um Strömungen am Wellenbild zu erkennen braucht man allerdings etwas Erfahrung. generell kann man sagen, dass eine mit dem Wind mitlaufende Strömung die Wellen glättet und eine gegen den Wind laufende Strömung die Wellen steiler macht.

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